Projektstudium – wo bist du geblieben?

Im November 2014 hielt der Philosoph Richard David Precht im Rahmen des WESERKURIER Wissensforums einen Vortrag zum Thema „Bildung heute – Bildung morgen“. Seine Grundidee: Als Schulen erfunden wurden, habe niemand gewusst, wie Lernen eigentlich funktioniert. Mit der Digitalisierung, mit den neuen Möglichkeiten durch das Internet und der neuen, kompetenzfördernden Pädagogik müsse Schule neu gedacht werden – und nicht angepasst. Das Grundsystem sei falsch, weil es auf das „Einprügeln von Stoff“ ausgelegt sei. In Zeiten des Internets habe Schule das Exklusivrecht der Wissensvermittlung verloren. Prechts Verbesserungsvorschläge für das System: Lernen bis zur sechsten Jahrgangsstufe in einem Klassenverbund, aber ohne Noten. Anschließend können die Schüler sich für ein „Lernhaus“ entscheiden, in dem sie – entsprechend ihren Talenten und Interessen – anhand eines Themas von allgemeinem Interesse gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge lernen. Im Lernhaus würde man an Projekten arbeiten, an denen nicht nur Lehrer beteiligt sind, sondern auch Experten aus dem Berufsleben. Für die Lernfächer empfiehlt Prescht Software, mit der Schüler individuell und ihrem Wissensstand entsprechend pauken können. „Sie müssen dann in einer bestimmten Anzahl von Jahren bestimmte Stufen erreichen“.

Irgendwie kennen wir das schon. Hat Precht diese Konzeption gerade wieder neu entdeckt? Wissen die jüngeren Bremer Lehrkräfte überhaupt noch, dass in den 1970er Jahren die Neugründung der Bremer Universität mit der Forderung nach dem Projektstudium untrennbar verknüpft war? Was ist aus dem Projektstudium mit seinen Anforderungen an fachübergreifende, gesellschaftlich relevante Fragestellung und forschendem Lernen geworden? Wie schade, dass diese Veranstaltung nicht mit einer Podiumsdiskussion endete, in der Professoren und Mitarbeiter von damals ihre Erfahrungen mit dem heute zu Recht wieder aktuellen Projektstudium hätten einbringen können. Hier wurde eine Chance vertan.

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